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Das aktuelle monatliche Westernreit- Magazin für Zucht, Sport, Lifestyle und Freizeit.
Inhalt der aktuellen Ausgabe
Hengste
Stolz, Energie, Kraft, Eleganz und nicht zuletzt auch sichtbare sexuelle Potenz – ein Hengst stellt sich selbst gerne zur Schau, ist ein Angeber und lässt die Muskeln spielen. Er ist ein ganz besonderes Pferd und manchmal scheint es, als glaubten Pferdebesitzer, etwas von dieser Ausstrahlung, dieser ‚Wildheit‘, würde sich auch auf sie übertragen und schmücken sich mit seiner Persönlichkeit.
Aber auch ein Hengst ist in erster Linie ein Pferd, ein Lauf-, Flucht- und Herdentier, das sich jeden Tag viel bewegen und frische Luft atmen möchte, das den Herdenverband liebt und auf Sozialkontakte nicht verzichten kann. Genau diese Grundbedürfnissee sind es aber, die oft zu Problemen bei der Hengsthaltung führen, denn sie lassen sich in der heutigen Pferdehaltung oft nicht mit den hengsttypischen Charaktereigenschaften vereinbaren. Klagen über aggressive, unruhige oder nicht beherrschbare Hengste, die steigen, beißen, schlagen und keinen
Respekt vor ihren Besitzern haben und nur von den Trainern zu handlen sind, sind das Ergebnis.
Ein Blick zurück
Hengste haben in der Herde andere Aufgaben als Stuten und dieser Instinkt hat sich auch in den Jahrhunderten der Domestizierung nicht verändert. Schutz vor Feinden bot im freien, wilden Leben nicht nur die Flucht, sondern auch der Zusammenhalt und Schutz der Herde. Dort allerdings durfte ein Pferd nur bleiben, wenn es sich in die Rangordnung eingliederte und korrekt verhielt. In der Natur verjagt ein Leithengst die männlichen Jährlinge, die dann auch nicht immer ein Stutenrudel erobern können, sondern sich in reinen Hengstherden zusammenfinden. Der Hengst war der Bewacher und Hüter der Herde, er sorgte für die Fortpflanzung und den Erhalt des Bestandes, er hielt Rivalen von seinen Stuten fern und zeigte Eindringlingen deutlich, wer der Herr im Hause war. Die Erfüllung dieser Aufgaben war immer verbunden mit einer gewissen Aggressivität, Imponiergehabe, Drohverhalten und wenn es sein musste auch mit einem Kampf. Gemeinsam mit einer erfahrenen Leitstute führte der Hengst seine Herde, war immer wachsam und beschützte sie. Seine Position allerdings war ihm niemals sicher, denn nachdrängendes Jungvolk war immer bereit sich den Rangkämpfen zu stellen und den Platz an der Spitze zu erobern. Ausdauer und Kampfbereitschaft also waren nötig um die oft harten Auseinandersetzungen mit der Natur und den Artgenossen zu gewinnen. Diese Eigenschaften hat auch der domestizierte Hengst noch nicht verloren und er erwartet sie auch von seinem Leittier Mensch, der seinem Hengst jeden Tag seine Überlegenheit aufs Neue beweisen muss.
Hengste und Menschen
Menschen, die glauben Hengste halten zu müssen oder aus Sport- und Zuchtüberlegungen Hengste halten, sollten sehr gute Pferdekenner sein, denn man braucht ein hohes Maß an Konsequenz und Durchsetzungsvermögen, das nicht mit Härte oder gar Brutalität verwechselt werden darf. Bis zur Geschlechtsreife hat man sicher wenig Probleme, doch spätes-tens der ‚Teenager‘ stellt hohe Anforderungen an seinen Besitzer und Trainer.
Eine konsequente Behandlung und eine eindeutige Dominanz sind deshalb notwendig, um mit einem Hengst gelassen umgehen zu können. Die Formen der Verständigung und Auseinandersetzung sind dabei meist sehr viel einfacher, als die Menschen glauben wollen. Pferde ‚sprechen‘ nicht miteinander - vielleicht wiehert die Stute kurz nach ihrem Fohlen, ein Brummeln zeigt, dass man sich erkennt, oder der Hengst schreit auf dem Weg zur Stute, doch das aktive Vokabular ist begrenzt. Sehr viel mehr Variationen bietet die Körpersprache. Mit kleinen
Gesten, Blicken oder Bewegungen kann das ranghohe Tier auf die Einhaltung der ‚Hackordnung‘ achten und Maßregelungen kommen immer sehr direkt und schnell. Es gibt in der Pferdeherde immer nur ein klares ‚Ja‘ oder ‚Nein‘, nie ein ‚Vielleicht‘, und das gilt auch für den Leithengst. Im Umgang mit einem Hengst muss also auch der Mensch deutlich machen, dass zu viel Nähe nicht erlaubt ist und er Respekt wahren muss. Wer mit einem Hengst richtig umgehen will, muss immer und ohne Ausnahme beharrlich, konsequent, hartnäckig sein und vor allem unmittelbar seine Position bestimmen. Der Hengst wird dann sicher seinen zweiten Platz akzeptieren, auch wenn er immer wieder versucht an die Grenzen zu gehen, doch das gehört zu seinem Naturell und ist nicht mit den üblichen Unarten zu verwechseln. Im täglichen Umgang mit dem Herdenchef sind Konzentration, Aufmerksamkeit, Konsequenz und Disziplin gefragt. Knabbern, Rempeln, ein kleiner Stoß mit dem Kopf – auch die vermeintlich freundlichen Gesten sind nicht erlaubt, denn wer sich erst einmal auf diese Kleinigkeiten einlässt, hat gute Chancen im Großen zu verlieren und das Pferd weiß schnell, dass es nicht schwer ist die Nummer eins zu werden. Ein Hengst muss – schon als Fohlen – lernen Abstand zu halten, das Territorium des Menschen ist für ihn tabu. Seine Erziehung ist ohne deutliche Korrektur nicht möglich, denn der Umgang mit einem Hengst, der den Menschen nicht als Leittier akzeptiert, kann gefährlich werden. Ein Hengst, der in seinem Verhalten nicht sofort und eindeutig zurechtgewiesen wird, dem man ‚Kleinigkeiten durchgehen lässt, versteht schnell, dass er dominiert und wird zunehmend respektloser. Spürt er jedoch im Ansatz, was nicht erwünscht ist, wird er schon mit vergleichsweise geringen Strafen – einem Ruck am Strick, ein Rückwärtsrichten, einem Stoß an die Schulter – seine Schranken erkennen. Niemals sollte man kopflos oder wütend auf ein Pferd einschlagen. Ein kurzer Hieb oder Kick entspricht sehr viel mehr der Pferdesprache und wird verstanden, große und vor allem laute Worte braucht es nicht. Gewalt hilft bei diesen Auseinandersetzungen auf Dauer wenig, mit Ruhe und Fingerspitzengefühl lässt sich der Macho ebenso sicher führen.
Standortbestimmung
Ein Hengst weiß sehr genau zu unterscheiden, wer mit ihm umgeht und jeder Einzelne muss sich dabei seine Position erarbeiten. Es ist also sehr wichtig, dass alle Familienmitglieder, Reiter oder Trainer sich einig sind, wie man mit dem Tier umgehen soll, denn nur so ist die unbedingt notwendige Konsequenz gewährleistet, die dem Hengst auch Sicherheit gibt. Es ist ein Irrtum, dass Männer mit Hengsten allein deshalb besser umgehen könnten als Frauen, weil sie stärker seien. Im Ernstfall spielt es keine Rolle, ob ein Pferd fünfmal oder zehnmal stärker ist als die Person, die mit ihm umgeht. Kein Mensch kann sich mit der Kraft eines Pferdes messen. Starke mentale Kräfte sind im Umgang mit Hengsten sehr viel mehr gefragt als Kraft.
Sicheres Auftreten, klare Kommandos, eine feste Stimme und Entschlossenheit sind grundsätzliche Voraussetzungen für den Umgang mit einem Hengst. Körperkontakt und Liebkosungen sind zu vermeiden, sie werden in aller Regel miss-verstanden. Ein Hengst ist kein Schmusetier, er wird ein solches Verhalten immer als Schwäche auslegen und aus Spiel wird schnell Ernst. Angst und Unsicherheit führen oft dazu, dass Tiere mit Gewalt oder brutalen Mitteln eingeschüchtert werden, doch ein Hengst wird sich dagegen eher wehren als ein Wallach. Schmerzen machen ihn eher aggressiver, Bewegungsmangel, fehlender Sozialkontakt und Langeweile lassen ihn meist noch unbändiger werden. Er ist und bleibt ein Arbeitstier, das in der freien Natur ständig im Einsatz wäre und auch als domestiziertes Tier braucht er viel Beschäftigung und Arbeit, die ihn fordern und beanspruchen. Hengste können imposant, schön und interessant sein, aber sie sind niemals Anfängerpferde. Sie sind allerdings auch nicht die gefährlichen Dauerkämpfer, die keine Auseinandersetzungen scheuen. In Freiheit zeigen sie sich meist weniger aggressiv als in den kleinen Pferdeboxen, die ihnen offensichtlich sehr viel mehr das Gefühl geben, um dieses kleine Areal kämpfen zu müssen. Während der Decksaison aber zeigen sie natürlich gerne ihre ganze Kraft und Schönheit und sind dann auch schon eher streitsüchtig und angriffslustig.
Ein Hengst, der so artgerecht wie möglich leben kann, dessen natürliche Verhaltensweisen respektiert werden, ist kein ‚natürlicher‘ Feind, doch er wird sich immer wieder positionieren wollen. Der Mensch aber, der sein Vertrauen hat und selbst seinen Standort in dieser Partnerschaft sicher bestimmt, wird im gegenseitigen Respekt keine Probleme im Umgang haben. Wer dominiert, wird geachtet - so ist es nun mal – nicht nur im Pferdeleben.







